Mein Brief an mich

Liebe Chrissy,

du bist zum ersten Mal Mutter geworden und nebst deinen eigenen Sorgen die dich plagen, wird es allerhand Ratschläge von vielen Seiten geben.
Dir wird geraten werden Stillzeiten einzuhalten, damit dein Sohn  nicht ständig an deiner Brust hängt. Selbst die Kinderärztin rät dir dazu, dein Kind im vier Stunden Rhythmus zu stillen. Denn sonst bekommt er Bauchschmerzen. Das willst du auf keinen Fall verantworten, deshalb wirst du auf die Ärztin hören und wochenlang versuchen die Zeiten einzuhalten. Du wirst nach der Uhr gehen und jede Stilleinheit penibel aufschreiben „Du kannst nicht schon wieder an die Brust. Die vier Stunden sind noch nicht vorbei.“ wirst du dich immer wieder sagen hören.
Dein Baby wird schreien, es wird wütend und es wird weinen.
Auch du wirst weinen. Sehr, sehr viel. Du wirst in ein Kissen brüllen, um die Wut nicht an deinem Sohn auszulassen. Du wirst ihn für kurze Augenblicke in sein Bettchen legen, das Zimmer verlassen und die Türen zu machen, weil du das Schreien kaum aushältst. Aber vor allen wirst du merken, dass die vier Stunden Zeiten für dich und für Simon reine Qualen sind.
Ihr schlaft nicht mehr gut. Du pflaumst alles und jeden um dich herum an. Du weinst viel. Du erkennst dich selbst nicht wieder.
Du wirst wütend auf jene, die dir diesen Tipp gegeben haben, aber am allermeisten wirst du dich selber hassen. Dafür dass du nicht auf dein Bauchgefühl gehört hast. Dafür dass du nicht einfach weiter nach Bedarf gestillt hast. Dafür dass du deinen Sohn schreien lassen hast, obwohl er nur Nähe wollte.

Deshalb lass dir von deinem heutigen Ich sagen;
Stille so wie du es für richtig hältst.
Stille wann und wo du willst.
Stille wann und wo dein Sohn will.
Stille solange du willst.
Stille solange dein Sohn es braucht.
Lass dir nicht einreden, du brauchst Zeiten.
Lass dir nicht einreden, dass man mit einem halben Jahr zufüttern muss.
Lass dir nicht einreden, dass man ein Kind mit einem Jahr nicht mehr stillt.

Du wirst viel mehr Selbstvertrauen entwickeln, wenn du vor anderen deinen Standpunkt klar machst. Nicht jeder wird das akzeptieren, aber das spielt keine Rolle.
Du und Simon, ihr werdet eine wunderbare Einheit werden.

Mache es so, wie dein Bauch und Herz es dir sagen!

Sonnige Grüße,
dein zukünftiges Ich.

PS: Wechsel deine Kinderärztin! Sie hat offenbar keine Ahnung von Mutter-Kind-Nähe.

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Simon, etwa drei Monate alt und ich, stillend im Wildpark „Hundshaupten“.

((Dies ist mein Brief an mich, eine Blogparade, in’s Leben gerufen von Jana, vom Hebammenblog.))

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4 Gedanken zu “Mein Brief an mich

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